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Projekt „Landwirtschaftskollektiv Aschbuch“ sucht Mitgestalterinnen und -gestalter

Juni 27, 2012

Wege aus dem System

Ein Lebensmittelsystem, das von Konzernen, Supermarktketten und vom „Bio-Schmäh“ dominiert wird, die Verknappung fossiler Energie (Peak Oil, Peak Gas), die kapitalistische Profit- und Schuldenkrise, die Abhängigkeit von Lohnjobs oder Unternehmertum, von Kaufen und Verkaufen, von Konkurrenz und Unterordnung, verlangen nach einer Alternative.

Eine Alternative beginnt vor allem dort, wo unser Leben beginnt und zugleich am meisten dem kapitalistischen System unterworfen ist: bei den Lebens-Mitteln.

Erzeuger-Verbraucher-Initiativen, Community Supported Agriculture (CSA), Food-Coops, Gemeinschaftsgärten in der Stadt und Selbsterntefelder können erste Schritte zu einer anderen Wirtschaft sein, die nicht für den Profit, sondern für das gute Leben aller produziert.

Ein Schritt, der weiter geht, ist die gemeinschaftliche Produktion von Lebensmitteln, Wohnraum und anderen Notwendigkeiten wie Annehmlichkeiten mit Produktionsmitteln, die von einer unabhängigen Gemeinschaft selbst verwaltet werden. Das ist die Perspektive der Commons (Gemeingüter), worin alle Mitglieder einer Gruppe gleichberechtigt über den Einsatz der Mittel und die Verwendung ihrer Früchte selbst entscheiden.

Doch diese Perspektive scheitert zumeist bereits an Stufe eins: dem Zugang zu Land.

Aschbuch: Ein Grundstück für alle

Das ist bei diesem Projekt anders. Ein 2,5 ha großes Grundstück bei Aschbuch, ca. 10 km südöstlich Fehring (Steiermark, etwa 1,15 Bahnstunden von Graz) steht zur Verfügung. Es trägt zu 0,5 ha Wald, zu 0,5 ha ehemals Acker (jetzt Birkenjungwuchs), der Rest ist Wiesenbrache, zum Teil eben, zum Teil mäßig steiler Südhang.

Die Flächen sind zusammenhängend und liegen auf einem Rücken etwa 100 Meter über dem Tal. Die Gebäude befinden sich am Ende eines Fahrweges (ab der Asphaltstraße etwa 400 Meter). Die nächsten Gebäude sind 100 und mehr Meter entfernt.

Bewohnbar ist ein Kellerstöckl, zwei Räume mit zusammen 22 m2, darunter ein Keller, darüber isoliertes Dach. Auf der Fläche des alten Wohntraktes könnte neu gebaut werden. Daneben gibt es ein barackenähnliches, beheizbares Gartenhaus. Es gibt einen Brunnen, aber keine Toilette mit regulärer Abwasserentsorgung. Eine Pflanzenkläranlage wäre möglich.

Die Jahrespacht inkl. Unfallversicherung, Steuern und Abgaben betrug bisher ca. 400 Euro.

Was tun?

Bisher war das Grundstück an einen Verein für Permakultur verpachtet, der allerdings kaum etwas voran gebracht hat. Nun wird ein neues Projekt gesucht. Denkbar ist dabei vieles. Was konkret gemacht wird, hängt ab von denen, die dies mitgestalten wollen. Gesucht werden Menschen, die an einer Gruppe mit folgenden kollektiven, solidarischen Aktivitäten interessiert sind:

  • Gemeinsam und solidarisch Landwirtschaften
  • Renovieren, Erweitern und Bewohnen der Gebäude
  • Schaffen eines Zufluchtsorts für Menschen in Bedrängnis
  • Urlauben
  • Veranstalten von Seminaren und Workshops

Vordringlich scheint, die Brachevegetation auf den Ackerflächen zu entfernen und die Wiese wieder in Nutzung zu nehmen. Dies könnte im besten Fall ab Herbst 2012 erfolgen. Der kollektive Anbau einiger wenig pflegeintensiver Feldfrüchte wäre im besten Fall ab Frühjahr 2013 denkbar: Erdäpfel, Kürbis, Bohnen o.Ä. Als Lager- und Verteilzentrum kämen Räume befreundeter Gruppen in Graz in Frage. Als Transportmittel für schwere Lasten wären neben Lastenfahrrad auch ein Moped mit Anhänger, Leihauto oder Car Sharing möglich. Die Erweiterung der Gebäude muss nicht konventionell erfolgen, sondern könnte auch in der Errichtung von Strohhütten oder eines Strohhauses bestehen. „Sprungbrett Aspern“ in Wien hat dazu unter anderen Initiativen Praxiserfahrung gesammelt.

Perspektiven, die ein solches Grundstück ermöglichen könnte, sind weit gespannt: Warum nicht einen Kibbutz aufbauen, der politisches Leben und kollektive Produktion vereint? Warum nicht einen Land-Trust initiieren, der Flächen dem Markt entzieht und den Menschen gibt, ähnlich dem Mietshäusersyndikat in Deutschland?

Dies bräuchte freilich Zeit und günstige Umstände. Erste Schritte kollektiver Landwirtschaft jedoch sind klein und können sofort erfolgen. Entscheidend ist die Solidarität und das Ziel, von Lohnarbeit, Markt und Staat unabhängige Lebens-Mittel zu produzieren.

Wie weiter?

Wenn Dich diese Ideen ansprechen, so laden wir Dich sehr herzlich dazu ein, Dich unter einer der folgenden Adressen zu melden: Andreas Exner, 0699/12 72 38 87, andreas.exner ÄT aon.at, Raimund Sobotka, 0680/1246676; raimund.sobotka ÄT univie.ac.at.

Wir suchen vor allem Menschen, die Lust haben, praktisch anzupacken: für einen oder mehr Tage pro Monat, blockweise oder in regelmäßigen Abständen. Ebenso suchen wir jedoch Menschen, die das Projekt als politische Botschaft unterstützen wollen und zugleich einer Organisation (noch zu gründen), die das Grundstück als Commons nutzt, beitreten wollen: einem Verein, einer Stiftung oder einer Genossenschaft.

Wir möchten mit dem Beginn praktischer Arbeiten zuwarten, bis sich eine Gruppe von 3-5 Menschen (je nach Engagement) gefunden hat.

Meldet Euch rasch!

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8 Kommentare leave one →
  1. Juni 29, 2012 2:27 am

    Ein freundliches Hallo an die InitiatorInnem dieses Projektes!
    Genau solche und ähnliche Initiativen sollten in die „Gemeinnützige Nahversorgung“ eingebunden werden, siehe dazu http://www.bio-oase.at/gemeinnuetzige_nahversorgung.html (Bei Interesse können dort auch Präsentationen und Schriftstücke heruntergeladen werden)

    Wie könnte das funktionieren:
    Bitte betrachtet euch ganz einfach ab sofoert als „Knotenpunkt“ in einem solchen Nahversorgungs-Netzwerk für Gemeinnützige Nahversorgung und schließt euch ganz unbürokratisch, kostenlos und zwanglos an unsere Arbeitsgruppe an (Mail – mail(at)bio-oase.at – mit Absichtserklärung genügt), damit wir als untereinander vernetzte Arbeitsgruppe (derzeit 39 Personen) gemeinsam auch konkrete Lösungen zur Unterstützung(!) auch eures Projektes erearbeiten können. Dazu könnte die Vielfalt an Möglichkeiten einer Genossenschaft dienen, die wir ja in gemeinsamer Anstrengung recht bald gründen werden.

    Aber unabhängig davon – beginnt ganz einfach ab sofort damit, euch in der betreffenden Region(!) nach Projektspartnern umzusehen, die bereit scheinen mit euch gemeinsam die Nahversorgung(!) mit möglichst allen Gütern und Dienstleistungen des täglichen Lebens zu verbessern und schrittweise zu komplettieren. Dazu gehört es in erster Linie, dort in der Region(!) KonsumentInnen zu finden, die vorerst einmal an der Beschaffung echter(!) „Lebensmittel“ interessiert sind. Ich denke, die Zeit ist reif dafür, solche Menschen findet man überal – auch draussen am Land, wo sich die Menschen heutzutage größtenteils auch über die Supermärkte versorgen – im Prinzip genauso wie die Stadtbewohner! Dazu kommen noch die Pendlerprobleme, die einen Gutteil der Freizeit auffressen, sodass für das Wichtigste im Leben eines Menschen – für die Versorgung mit „echten Lebensmitteln“ auch draussen am Land kaum Zeit und Lust übrig bleibt …

    Ein Ziel der geplanten Genossenschaft ist es ja, die Gratisnutzung(!) von solchen Grundstücken zu ermöglichen. Es genügen da schon einige wenige Menschen, die fallweise Mitarbeiten – die vorallem aber eure Produkte wertschätzen und auch konsumieren (und gerecht bezahlen!) und schon kann das Projekt als „Keimzelle“ einer zukünftigen „Gemeinnützigen regionalen Nahversorgung“ starten.
    Die Belieferung Der Stadt Graz mit euren Produkten halte ich bei so kleinen Einzelprojekten für schwierig und eher unwirtschaftlich. So kleine Projekte sollte man eher als Dienstleistung für Menschen in der Region verstehen, die an der Selbstversorgung mit „Lebensmitteln“ interessiert sind, denen aber die Zeit dafür fehlt (weil sie ja dem Geld nachjagen „müssen“ …?).

    Für eine mögichst wenig kostenintensive Nutzung eures Grundstückes hätte ich ganz konkrete Vorschläge und Lösungsansätze: Den Humusaufbau mit „Biomasse“ halte ich für eine elementar wichtige Zukunftsinitiative! Man kann sehr viele Kosten und Mühen einsparen und gleichzeitig fruchtbaren Boden gewinnen, der in zukunft wahrscheinlich wertvoller als Gold sein wird … Einige Beispiele meiner persönlichen Versuche könnt ihr hier ersehen
    https://picasaweb.google.com/112059377147412742741
    https://picasaweb.google.com/112059377147412742741/AnbauversucheInMaxendorf

    Ich habe auch interessante PP-Präsentationen erstellt, die ich bei Interesse sehr gerne im Rahmen von diversen Gruppentreffen vorführen kann. Ich schlage ohnehin vor, dass wir uns im Rahmen von Gruppentreffen persönlich näher kennenlernen sollten. Ihr könnt gerne selbst Gruppentreffen zum Thema Gemeinnützige Nahversorgung organisieren, bei Interesse nehme ich gerne daran teil. Falls ihr euch an unserer Arbeitsgruppe beteiligen möchtet, sende ich euch auch die Teilnehmerliste und laufen alle weiteren Infos zu.
    (mail(at)bio-oase.at)

  2. Juni 29, 2012 11:10 am

    Danke für Deine Ideen! Wir warten mal, wieviele Interessierte sich melden und in welche Richtung die gemeinsamen Vorstellungen gehen.

  3. Sylvia permalink
    Juli 4, 2012 7:17 am

    Hallo Leute! Ich wurde ohne grünen Daumen geboren (wenn ich von meinem eigenen Garten leben müsste, würde ich verhungern). Dafür interessiert mich altes Handwerk. Vielleicht ist einmal ein Kooperation zwischen Ernährungssouveränität und verschiedenen Formen von alten Handwerk möglich. Besonders cool wäre eine Verbindung von alten Handwerk und dezentraler Stromerzeugung. Aber daran muss ich noch arbeiten, diese Form der Energiegewinnung existiert erst als Idee in meinem Kopf.
    Viele Grüße, Sylvia, Graz (und Mürzzuschlag).

    • Juli 6, 2012 12:44 pm

      Hi Sylvia
      Wenn Du zwischen 10. und 12. August die Fläche mit uns besuchen möchtest, wäre es gut, wenn Du Deine Email an eine der beiden Kontaktadressen schicken könntest.
      Danke

  4. Juli 5, 2012 11:36 am

    hallo sylvia!
    das klingt toll! ich finde, das passt sehr gut zusammen und wäre auch notwendig, damit man die fläche auch besser bewohnen kann! dezentrale stromerzeugung: detto! da müsste man mal ideen durchspielen.

  5. Juli 7, 2012 8:25 am

    hi sylvia, ich sehe deine email in unserem maileingang. passt also

Trackbacks

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